So 6 Jan 2008
Eine Ohrfeige für aufdringliche Verehrer!!!
Geschrieben von Elesan Carnell unter Alle Artikel
(GW) „Die Animationen sind doch sehr auf männliche Bedürfnisse zugeschnitten, für die Damenwelt ist wenig dabei“, sagt mir Didi Wunderle bei einem entspannten Interview auf seiner Gartenterrasse in Second Life.
Die Animationen in der zweiten Welt sind wenig feminin ausgerichtet, diesem Misstand nahm er sich an, indem er eine eigene kleine Firma „Animations & Arts“ gründete.
Die seit Februar 2007 bestehende Firma bietet in einigen Shops in SL mit Liebe fürs Detail gemachte Animationen, welche vor allem die Frauenwelt begeistert. Auf der Suche nach einer Animation, mit deren Hilfe ich in Ohnmacht fallen kann, lernte ich den überaus höflichen Herrn Wunderle kennen.
Er half mir innerhalb weniger Minuten und kreierte für mich eine Ohnmacht, die auf meiner Rollenspiel Sim sehr gut ankam.
Noch am gleichen Tag trafen wir uns spontan in seinem Mainstore und plauderten auf einer hervorragend animierten Gartenbank über Gott und die Welt. Schnell wurde mir klar, dass dieser Animations-Designer andere Prioritäten setzt, was er mir in dem folgenden Interview bestätigte.
Elesan Carnell: Didi danke, dass Du trotz Erkältung Zeit gefunden hast, um uns einen Einblick in Dein Schaffen in Second Life zu geben. Du betreibst ja einen Shop für spezielle emotionale Animationen. Wie kam es dazu? Was hat Dich bewegt, um in SL einzusteigen?
Didi Wunderle:
Angefangen hatte ich in SL vor gut einem Jahr, im November 2006. Damals war ja der so genannte SL-Hype. Einige der Studenten hatten mich über die Firma, für die ich tätig bin, auf SL aufmerksam gemacht und erzählt, das wird die Zukunft im Internet.
Da wollte ich dann auch mal sehen was das ist, darum bin ich erstmal unverbindlich hier eingestiegen und habe mich umgesehen. Nun ja, ich habe ja die Aufgabe bei uns in der Firma mich um Kommunikation und virtuelle Techniken zu kümmern, da war ich dann schon neugierig, was SL alles bringt.
Es ist ja vieles dabei, ein 3D-Modeller, Chat, Sound, Grafik, Animation - diese Zusammenstellung ist in dieser Form schon einmalig. Zu den Besonderheiten gehört auch die SL-Programmiersprache, mit der man dann noch jedem Objekt eine Funktion geben kann.
SL von den Linden Labs ist nur ein Basissystem. Was wir hier vorfinden wurde ja von den Spielern aufgebaut. Also habe ich erstmal viele Spaziergänge gemacht und habe mich dabei umgesehen. Ich war immer wieder erstaunt, mit wie viel Liebe einige SIMs aufgebaut sind und mit welcher Phantasie einige hier ihr Hobby betreiben, das ist schon großartig.
Elesan Carnell: Sag mir für wen arbeitest du genau?
Didi Wunderle:
Ich bin bei VW in der Konzernprojektleitung für die Digitale Fabrik. Mit dieser neuen virtuellen Technik bilden wir alle Fertigungsprozesse in computerbasierten Modellen ab, um die Produktion zu optimieren und Fehler frühzeitig zu erkennen. Das Projekt umfasst alle VW-Fabriken von China bis Brasilien. Mich interessierte, ob SL für diese Aufgabe ein weiteres brauchbares Werkzeug ist.
Ich habe nach 2 Monaten der Prüfung beschlossen, dass SL für einen professionellen Einsatz bei uns noch zu instabil ist und zu wenige Möglichkeiten bietet. Aber die Kombination der Einzelfunktionen war für mich immer noch reizvoll. Daher wollte ich weiter in SL die Möglichkeiten der Kommunikation und virtuell unterstütze Arbeitsweisen ausprobieren.
Elesan Carnell: und so hast Du Dich entschieden für SL etwas zu tun, indem du Animationen erschaffen hast um die Avatare lebendiger wirken zu lassen?
Didi Wunderle:
Ja, sozusagen - natürlich hatte ich einige weibliche Bekanntschaften, viele waren der Meinung hier programmieren häufig Männer für Männer. So sind die Animationen doch sehr auf männliche Bedürfnisse zugeschnitten, für die Damenwelt ist wenig dabei, das soll heißen, es gibt Sex in Massen, aber mal etwas elegantes oder stilvolles - danach muss man doch ein wenig suchen
Ich hatte ziemlich am Anfang die „Hug“ und die „Kiss“ Animation als Freebie gefunden, mit kleinen Modifikationen habe ich daraus als erstes die „Bisous” Animation gemacht mit der ich Dich vorhin begrüßt hatte, das sind einfach nur zwei Küsschen auf die Wange.
Elesan Carnell: Die ist so wunderbar herzlich!
Didi Wunderle:
Ja eben!!! Danach hab ich mich mit einigen Kundinnen und Freunden unterhalten, was noch so fehlt, es gibt da seitenweise Wünsche, die arbeite ich jetzt Schritt für Schritt ab.
Das zweite große Projekt war der „Basic Animator”. Mit dem kann man überall tanzen und hat ein paar Animationen zur Verfügung, die man überall brauchen kann. Das hat einige Wochen gedauert alle zusammenzustellen. Tanzen, sich an den Strand legen, einige Sportbewegungen, einige Grüsse. Das geht dann alles, ohne dass ein Poseball jeweils nur eine einzige Animation vorgibt.
Am meisten wird wohl das Tanzen benutzt. Der HUD enthält ca. 30 verschiedene Tanzschritte - damit ist man dann auch davon unabhängig, was der Discobetreiber einem an Tanz vorgibt.
Elesan Carnell: Wie genau wird so eine Animation erstellt?
Didi Wunderle:
Es gibt dafür ein freies Werkzeug, Q-Avimator heißt das, man findet es unter den Downloads auf der SL-Startseite. Damit kann man die einzelnen Körperteile einer Figur bewegen, und so Bild für Bild eine Animation aufbauen. Es berechnet dabei auch Zwischenschritte zwischen zwei Hauptbewegungen von selber. dies ist aber sehr umständlich und wirkt ein wenig steif, und es dauert schon seine Zeit eine Animation damit zu machen. Diese kann man dann speichern und nach SL hochladen. Ab dann kann man sie hier selber nutzen oder verkaufen. Beim Speichern macht Q-Avimator aber häufig Fehler, so dass das Hochladen danach unmöglich wird - und er hat noch so weitere Probleme.
Da SL inzwischen zu meinem Hobby geworden war, habe ich beschlossen, etwas Geld zu investieren und mir ein besseres Werkzeug gekauft. Das für den PC-Heimgebrauch übliche ist Poser, das kostet etwa soviel wie ein gutes Video-Bearbeitungsprogamm.
Damit hat man einige Vorteile, man kann zum Beispiel zwei oder mehrere Figuren gleichzeitig bearbeiten, um so gemeinsame Bewegungen besser synchronisieren und aufeinander abzustimmen. Es ist auch möglich bei einem Avatar die Bewegungen der Seiten vertauschen, also auch spiegelbildliche Bewegungen machen und hat insgesamt eine wesentlich bessere Kontrolle und flüssigere Bearbeitung der Bewegung zur Verfügung
Es reicht aber natürlich bei weitem nicht an die professionelle Software der Filmindustrie und der Arbeitsergonomen heran, aber ist für den Einsatz hier in SL schon gut geeignet. Zudem eröffnet es die Möglichkeit, Animationen aus anderen Programmen nach SL zu übertragen, und so weltweit zur Verfügung stehende Animationsbibliotheken zu nutzen.
Elesan Carnell: Frauen finden also in Deinem erwähnten Shop Animationen mit Herz und der besonderen femininen Note. Was steht denn hauptsächlich auf dieser Wunschliste der Frauen?
Didi Wunderle:
An erster Stelle ein Watschen - eine Ohrfeige um aufdringliche Herren loszuwerden. Dazu habe ich eine Animation gemacht, es fehlt aber noch ein laut klatschendes Geräusch und ein “Funkenflug” um das auch wirkungsvoll und für alle sichtbar einzusetzen.
Dann findet man hier ja einige Zoos und Tierparks, viele haben auch ein Haustier einen Hund, eine Katze, eine Ratte auf der Schulter - Vögel … Diese sind zwar für sich animiert, aber man hat halt keine Möglichkeit, seinem Pferd mal ein Stück Zucker zu geben, oder seine Katze zu streicheln, diesem Wunsch möchte ich als nächstes nachkommen.
Elesan Carnell: Was hast du für das neue Jahr geplant, was möchtest Du in Second Life verwirklichen?
Didi Wunderle:
Das Rollenspiel wird dann das nächste große Thema. Dafür kann man sich ja viele damenhafte Bewegungen ausdenken. Es gibt viele Nachfragen von den Amazonen, vom Schloss Versailles und von Gor. Ich denke, dass hier in SL im Unterschied zum Text Chat einmal die 3-D Ansicht hinzukommt, die Bekleidung des Avatars und die Körpersprache. Was Soziologen untersuchen ist, wieweit Kleidung und Gestik eine Wirkung auf die Kommunikation haben. Ich finde es spannend, hier eigene Erlebnisse zu haben und das mitzufühlen. Dabei beobachte ich, wie sich die Leute zueinander stellen, wenn die reden, welche Animationen sie nutzen …
Elesan Carnell: Ich bedanke mich herzlich für dieses besondere Interview und hoffe in der Zukunft auf weitere, wunderbare mit Herz gemachte Animationen für uns Frauen (Schließlich haben die Männer ja auch was davon *gg).
Animationen in Second Life sind nicht mehr wegzudenken, geben sie uns Avataren doch mehr Möglichkeiten Emotionen auszudrücken. Der Mensch hinter dem PC ist ja kein kaltes Pixelwesen. Dass die Begegnungen mit anderen Leuten in Second Life viel emotionaler verlaufen als in der realen Welt, hat wohl jeder schon mindestens einmal festgestellt. Wenn wir dann die Möglichkeit haben, unsere Gefühle animiert darzustellen, sind wir der wahren Verschmelzung von RL und SL nicht mehr fern. Abgesehen von der grafischen Darstellung der Realität, welche um Weiten besser ist *löl*.
Landmarke:
Animations Shop
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