Sa 15 Mrz 2008
Grüne Abgeordnete: Second Life ist nicht demokratisch kontrolliert
Geschrieben von Gaffer Strom unter Alle Artikel
Neben der “LINKEN” ist auch die Partei “Bündnis 90/Die Grünen” in Second Life aktiv. Um die Repräsentanz in der virtuellen Welt kümmert sich Anna Lührmann alias Greena Shilova. 2nd-Life-Info Reporter Gaffer Strom sprach mit der Politikerin über Wünsche und Ziele der Partei in SL.
“Greena ist kein normaler Avatar, sondern grün von Kopf bis Fuß, und Frau Lührmann ist ebenfalls alles andere als alltäglich. Schon 2002 wurde sie mit 19 Jahren als jüngste Abgeordnete ins Berliner Parlament gewählt, und heute mit 24 ist sie es immer noch die Jüngste im Plenarsaal. Schon bei Vorbereitung zu dem Interview entsteht bei mir der Eindruck, es mit einer ungewöhnlichen Frau zu tun zu haben.”
2nd-Life-Info: Frau Lührmann, Sie sind erst 24 und doch schon im sechsten Jahr im deutschen Bundestag. Wie schafft man so etwas?
Anna Lührmann: Irgendjemand muss ja immer der Jüngste sein. Bei mir war es so, dass ich schon der Schule für die Grünen politisch aktiv war, und so wurde ich nach dem Abi 2002 eben über die hessische Landesliste der Grünen in den Bundestag gewählt. Alle Bundestags-Grünen kamen über ihre Landeslisten rein, ausser Ströbele, der hat ein Direktmandat. Bei der Wahl 2005 bin ich dann wiedergewählt worden.
2nd-Life-Info: Erzählen Sie den Lesern kurz etwas über die Person Anna Lührmann?
Anna Lührmann: Ich komme auf Hofheim/Taunus, habe dort wie gesagt 2002 mein Abi gemacht, jetzt als Abgeordnete wohne ich in Berlin. Neben meiner parlamentarischen Arbeit bei bin ich noch Studentin an der Fernuniversität Hagen, dort habe ich natürlich das Fach Politik belegt, sowie Organisationslehre. Ich bin verheiratet mit dem Diplomaten Rainer Eberle, und wenn weiter alles gut geht, kommt unsere Tochter Lara im Juli zur Welt.
2nd-Life-Info: Welche Aufgaben haben Sie als Abgeordnete?
Anna Lührmann: Ich habe hier mehrere Aufgaben, aber meine wohl wichtigste Funktion zur Zeit ist die Tätigkeit im Haushaltsausschuss, das ist der „Königsausschuss“ des Parlaments, denn er hat die Aufgabe, über die Art und Höhe der deutschen Staatsausgaben zu entscheiden.
2nd-Life-Info: Wie sieht denn die Arbeit im Parlament konkret aus?
Anna Lührmann: Die Arbeit einer Abgeordneten besteht aus zahlreichen Gesprächen, Sitzungen und Konferenzen, die alle nach einem strengen Terminplan ablaufen. Deshalb muss man seinen Tag gut organisieren, um hier nicht terminlich ins Schlingern zu kommen. Im Durchschnitt ist mein Tag über 12-13 Stunden mit Terminen belegt, auch an Samstagen. Das sind nicht nur Plenarsitzungen, wie man sie aus der Tagesschau kennt, sondern im wesentlichen gerade die Ausschuss-Arbeit, Sitzungen der Fraktion, Gespräche mit Pressevertretern, und mit NGO’s.
2nd-Life-Info: NGO’s?
Anna Lührmann: Non Government Organisations, früher besser bekannt unter dem Namen Lobbyisten. Also im weitesten Sinn sind dies die Vertreter aller wichtigen gesellschaftlichen Gruppen und Organisationen, sei es aus der Wirtschaft, Arbeitswelt, Kultur, von Berufsgruppen, Kirchen, usw. die ihre speziellen Interessen ins parlamentarische Geschehen einbringen wollen.
2nd-Life-Info: Und bei all dem finden Sie noch die Zeit, für Ihren Avatar in Second Life?
Anna Lührmann: Ehrlich gesagt spiele nicht viel. Weil mir sonst natürlich diese Zeit für mein reales Privatleben fehlen würde. Ich nutze Second Life fast ausschließlich für die politische Kontaktpflege mit den Bürgerinnen und Bürgern, ich setze das als Instrument für meine politische Arbeit im realen Leben ein. Aus diesem Grund haben wir auch dieses Bürgerbüro der Grünen im Politik-Land 2007 hier aufgemacht. Greena haben wir in die SL-Welt gesetzt, um für die Grüne Partei und die grünen Ideen zu werben. Greena spricht hier mit Bürgerinnen und Bürgern, die zum Beispiel keine Motivation haben, um persönlich auf politische Veranstaltungen im realen Leben zu gehen, die wir sonst also weniger oder gar nicht erreichen würden mit politischen Themen.
2nd-Life-Info: Können Sie etwas über Greenas Erfolg als Propagandistin der Grünen in Second Life sagen? Kommt Greena im Second-Life-Publikum an?
Anna Lührmann: Leider überhaupt nicht. Wir müssen ehrlich eingestehen, daß wir mit Greena unsere diesbezüglichen Ziele nicht erreicht haben. Den Grund dafür kann ich Ihnen nicht sagen, aber man muß schon eingestehen, dass kaum jemand den Weg ins Politik-Land findet, trotz viel Werbung und großen Einführungsveranstaltungen, die wir im letzten Jahr gemacht haben. Auch unser Ideenwettbewerb, den wir ausgeschrieben hatten, war ehrlich gesagt kein Renner. Die meisten Leute scheinen im Second Life die Unterhaltung zu suchen und nicht die inhaltliche Debatte. In diesem Terrain politische Themen zu transportieren, scheint nicht einfach zu sein.
2nd-Life-Info: Und wie stehen Sie selbst zu Second Life? Was gefällt der grünen Politikerin Anna Lührmann daran, in SL online zu sein?
Anna Lührmann: Wie gesagt, Greenas Einsatz in Second Life war ein politischer Kommunikationsversuch, der bisher nicht sehr erfolgreich verläuft. Als Spiel benutze ich persönlich SL praktisch gar nicht, im wesentlichen wegen Zeitmangels. Trotzdem sehe ich viel positive Aspekte darin. Mir gefällt an SL zum Beispiel, dass es zwar virtuell aber nicht so anonym ist wie ein Chat. Außerdem liegt es mir persönlich sehr, wenn ich beim Sprechen mein Gegenüber anschauen kann. Sehr begrüßenswert finde ich auch die Versuche von Avataren, sich in Interessengruppen zu organisieren und demokratische Abläufe im Zusammenleben auszuprobieren.
2nd-Life-Info: Gibt es auch Dinge in SL, die Ihnen missfallen? Wo liegen im SL heute echte Probleme, die geregelt werden sollten?
Anna Lührmann: Dazu fallen mir spontan zwei Sachen ein: Erstens, ein ganz wesentliches Problem des SL ist, dass die Plattform eben nicht frei ist, sondern einer privaten Firma gehört, die nicht demokratisch kontrolliert wird. Daraus ergeben sich Missbrauchsmöglichkeiten. Ich denke daran, dass Linden Labs zum Beispiel irgendwann mal auf die Idee kommen könnte,
bestimmten Usergruppen, z.B. Leuten mit einer missliebigen politischen Ansicht den Zugang zu sperren. Dieses ist eine hypothetische Gefahr, aber durchaus im Bereich des Möglichen.
Zweites Thema ist der nicht vorhandene Jugendschutz im SL. Diese Frage müsste aber für das gesamte Internet gestellt werden. Auch hier habe ich keine schnelle Antwort parat, jedoch halte ich bei diesem Thema prinzipiell nicht viel von repressiven Maßnahmen.
2nd-Life-Info: Was denken Sie, wohin wird die Entwicklung von Second Life in Zukunft gehen?
Anna Lührmann: Schön wäre es wenn sich Second Life weiterentwickeln würde zu einem offenen Massenmedium für alle, so eine Art öffentlicher Raum, wo sich jeder zu jedem Thema äußern kann. In solchen Formaten wie SL liegt die Chance, daß sich das Internet zu einem echten interaktiven Massenmedium weiterentwickelt. Wenn es einmal soweit kommt, darf die Kontrolle aber nicht mehr allein einer privaten Firma überlassen bleiben.
2nd-Life-Info: Und wie denkt eigentlich die Grüne Partei über das Second Life?
Anna Lührmann: Soweit mir bekannt ist, gibt es bis heute noch keine offizielle Stellungnahme der Grünen zu Second Life, und SL spielt auch in der innerparteilichen Diskussion und Meinungsfindung bisher noch keine Rolle, das ist noch kein wirkliches Thema für unsere Partei.
2nd-Life-Info: Sie schreiben auf Ihrer Internetseite, dass Sie sich am Ende der laufenden Legislaturperiode aus der Berliner Politik zurückziehen wollen?
Anna Lührmann: Die Zeit bleibt nicht stehen, und auch meine Prioritäten sind inzwischen wieder andere geworden als damals, als ich mit 19 Jahren zum ersten Mal in den Deutschen Bundestag gewählt wurde. Es ist doch klar, dass ich nicht bis zum Lebensende drin bleiben will, sondern jetzt auch einmal nach neuen Aufgaben suche.
2nd-Life-Info: Danke für das Gespräch und alles Gute.
Anna Lührmann kümmert sich um die SL-Präsenz:

Landmark (SLURL):
Bürgerbüro auf Politik-Land
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2 Kommentare für “ Grüne Abgeordnete: Second Life ist nicht demokratisch kontrolliert ”
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Pingback from Pia Piaggio wird politisch | Second Life Talk
9. September 2008 um 17:12[…] Sim langsam aber sicher im Griddunst verstaubt. Anna Lührmann gesteht im März 2008 in einem Interview ein, mit ihrer Avin Greena hätten sie „…unsere diesbezüglichen Ziele nicht erreicht…..“. […]
15. März 2008 um 19:12
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POLITRIX GO HOME !!!
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