koblenz-sl.jpgWas einst Denkmal für die Einheit Deutschlands nach drei Kriegen war, hat nun auch in Second Life einen Platz gefunden - das Kaiser Wilhelm Denkmal in Koblenz. Die deutsche Stadt, in der die Mosel in dem Rhein mündet, kann auf eine mehr als 2000-jährige Geschichte zurückblicken.

Drei Monate haben Conny Quaggy und ihr Partner Henri Boa gebraucht, um nicht nur das Kaiser Wilhelm Denkmal, sondern auch die Festung Ehrenbreitstein nachzubauen. Hinzu kommt ein kleiner Ausschnitt der Innenstadt von Koblenz mit einladenden Shops, die die beiden nicht nur aus Second Life, sondern auch im wirklichen Leben kennen. “Es ist unsere Heimat und mit diesem Projekt wollen wir unsere Verbundenheit zur Region zum Ausdruck bringen”, erklärte die SIM-Managerin. Zudem gehört das Kaiser Wilhelm Denkmal zum Weltkulturerbe.

Nicht zu vergessen ist die bewegende Geschichte, die das Deutsche Eck schon erlebt hat. Die dazu gehörige Festung soll dazu beitragen, auch die deutsche Kultur in die zweite Welt zu tragen. Mit ständig wechselnden Kunstaustellungen von Künstlern aus dem Real Life in der ehemaligen Kurtine, soll Ehrenbreitstein ein kultureller Treffpunkt werden. Derzeit sind dort Werke des aus dem Raum Koblenz kommenden Maler Horst Breuer ausgestellt. Für seine Arbeit mit Öl- und Acrylfarben verwendet der Künstler neben Pinseln auch Steine. In den nächsten zwei Monaten werden seine Bildnisse in der Galerie zu bewundern sein. “Ich möchte damit Künstlern aus der Region eine Plattform bieten”, so die Managerin. Von der Festung aus können die Besucher mit dem Hanggleiter in die Innenstadt fliegen.

Dort finden sie in der City-Galerie nicht das eine oder andere Werk der bisherigen Aussteller wieder, sondern können dort sehen, wie ein Teil des Stadtkerns von Koblenz gestaltet ist. “Wir haben vom Fotografen die echten Fassaden ablichten lassen und daraus die Texturen erstellt”, erklärte Conny Quaggy. Selbstverständlich wurden auch die vier bekannten Türme am Koblenzer Plan, im Zentrum von Koblenz, der Augenroller, am Münzplatz in das Gesamtkonzept einbezogen.

Ein weiteres Highlight ist ein Rheinschiff, das die Avatare über Rhein und Mosel befördert. Koblenz wird ständig mit neue Ideen belebt. Neben einem Sessellift zur Festung ist sogar ein fremder Planet in Planung. Neben dem Fokus auf Kunst und Kultur soll natürlich der Spaß nicht zu kurz kommen. Stadtfeste und Partys sorgen für ein rundes Sim-Konzept, das in Zukunft mit Sicherheit für Aufsehen sorgen wird.

Rund um das Denkmal/Geschichtsexkurs:

  1. Das Deutsche Eck ist eine Landzunge an der Mündung der Mosel in den Rhein in Koblenz. Hier wurde 1897 ein monumentales Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. errichtet. Der Denkmalsockel diente von 1953 bis 1990 als Mahnmal der Deutschen Einheit. Am linksrheinischen Ufer zweigen vom Deutschen Eck die Rheinanlagen, am rechten Moselufer das Peter-Altmeier-Ufer ab.
  2. Erzbischof Theoderich von Wied rief 1216 die Ritter des Deutschen Ordens nach Koblenz und schenkte ihnen einen Teil des Geländes der Kastorkirche mitsamt dem angeschlossenen St.-Nikolaus-Krankenhaus. Unmittelbar an der Einmündung der Mosel in den Rhein errichtete der Orden bald danach das Deutschherrenhaus, das zum Sitz der Verwaltung (Ballei) der Ordensprovinz Koblenz wurde, die dem Hochmeister direkt unterstellt war. Nach der Errichtung des Herrenhauses trug der Mündungsbereich zunächst die Bezeichnung Deutscher Ordt, später dann Deutsches Eck.
  3. Als Dank für die in drei Kriegen (1864, 1866, 1871) erkämpfte Einigung Deutschlands entschieden die regierenden Fürsten nach dem Tod Wilhelms I. dem Kaiser ein Denkmal für den zu errichten. Unter den zahlreichen Bewerbern um den Standort war auch Koblenz. Die Standortentscheidung überließ man dem jungen Kaiser Wilhelm II., der sich 1891 für Koblenz und die Stelle am Zusammenfluss von Mosel und Rhein entschied. Nachdem man das erforderliche Gelände durch Zuschütten des Hafens geschaffen und eine nationale Sammelaktion die erforderliche Million Mark erbracht hatte, konnte das Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmal der Rheinprovinz errichtet und am 31. August 1897 unter Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht werden.
  4. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, am 16. März 1945, wurde das Reiterstandbild durch eine amerikanische Artilleriegranate schwer beschädigt. Ob dies Absicht war, blieb ungeklärt.
  5. Durch die Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 hatte das Mahnmal seine sinnstiftende Bedeutung verloren. Die aufkeimende Diskussion um die Neugestaltung des Areals bekam durch die private Stiftung des Koblenzer Verlegerehepaares Theisen eine entscheidende Wendung, da sich mit der Übernahme der Kosten der Rekonstruktion des Reiterstandbilds eine für Stadt und Land kostenneutrale Lösung abzeichnete. Das Vorhaben wurde in Koblenz und darüber hinaus kontrovers diskutiert. Während die Befürworter positive Auswirkungen auf das Stadtbild von Koblenz und den örtlichen Tourismus ins Treffen führten, bemängelten die Kritiker den unzeitgemäßen Kaiserkult und die Rolle Wilhelms als Kartätschenprinz bei der blutigen Niederwerfung der Märzrevolution des Jahres 1848.
  6. Das Deutsche Eck war seit Errichtung des (ersten) Denkmals eine Touristenattraktion und ist es bis heute geblieben. Seit 2002 ist es Teil des von der UNESCO ausgezeichneten Weltkulturerbes Oberes Mittelrheintal.

Weblinks:
Horst-Breuers-HP

Landmark:
Deutsches Eck Koblenz