underground-titel.JPG(PC) Ist das nicht eine tolle Idee, wir erschaffen uns einen Avatar für Second Life und setzen dort alles um was wir im richtigen Leben schon immer mal machen wollten. Zum Beispiel einen Dance Club eröffnen und wilde, ausgelassene Partys feiern.

Damit auch zahlreiche Leute kommen, heuern wir DJs an, die für die perfekte Stimmung sorgen und in allen Musikrichtungen auflegen. Wir organisieren ein paar Contests, machen reichlich Werbung und lassen uns noch weitere Aktionen einfallen. Ein herrlicher Gedanke… Was soll schief gehen, wenn ich mir einen Club aufbaue, das Land miete oder eine Sim kaufe. Da ein bisschen bauen und hier vielleicht noch einen Sponsor finden…

Ach es ist ja alles so einfach und unkompliziert, im Gegensatz zum realen Leben in dem wir zu Ämtern laufen müssen, Genehmigungen beantragen sollen, Gelder aufbringen für laufende Kosten, hier noch ne Lizenz, da noch ein Kredit und und und. Doch ist es wirklich so einfach in Second Life wie wir das denken? Gibt es da keine Gesetzte oder Ämter die wir beachten und aufsuchen müssen? Nein? Da muss ich euch leider enttäuschen. Auch in Second Life gibt es Pflichten, denen wir uns, auch wenn es sich um eine Scheinwelt handelt, beugen müssen. Ansonsten drohen Geldbußen im vierstelligen Eurobereich, ohne dass wir uns dessen bewusst waren. Ein sehr wichtiger Aspekt liegt in der Aufführung von Musik!

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, kurz DIE GEMA, vertritt die Rechte der Musiker, Komponisten und Verleger, die in der Organisation Mitglied sind. Sie steht dafür ein, dass die Werke der Künstler bei jeder Aufführung und Vervielfältigung auch bezahlt werden. Nur wie stellt die GEMA sicher, dass für Musik auch bezahlt wird? Ganz einfach, durch Lizenzen. Je nachdem, wie die Musik genutzt wird, zum Beispiel als Hintergrundmusik einer Website oder eines Ladengeschäfts, eines Internetradios oder als Dj in Real Life, berechnet die GEMA einen speziellen Tarif.

Da DJs in Second Life auch nichts anderes machen als ihre Kollegen im realen Leben, müssen auch diese eine Lizenz beantragen, um rechtlich auf der sicheren Seite auf zu sein. Viele in Second Life sind sich dieser Pflicht nicht bewusst, da sie selbst die original CDs zuhause haben und mit deren Kauf eine Lizenz zur privaten Aufführung erworben haben.

Ein DJ der in RL eine Lizenz erworben hat kann dann je nach seinem Sendeumfang in Second Life auflegen. Club-Besitzer in Second Life sollten sich ernsthaft mit dem Thema auseinander setzen und sich solch eine Lizenz schnellstens zulegen um Schadensersatzansprüchen aus dem Wege zu gehen.

Da die GEMA sich verpflichtet hat, dafür zu sorgen, dass die Künstler eine Vergütung für ihre Werke bekommen, ist sie auch sehr gewissenhaft in ihren Überprüfungen. So kann es sein, dass bei einer Kontrolle durch die GEMA dem einen oder anderen DJ oder Club-Besitzer in Second Life, eine Rechnung ins Haus flattert. Die GEMA hat einen Schadensersatzanspruch der doppelt so hoch ist wie der Normalvergütungssatz. Bei mehreren gespielten Liedern ohne Lizenz, kann sich das leicht in den Tausenden abspielen. Wie schnell dies gehen kann, berichteten die Owner des Gothik Clubs Underground, welcher schon seit Februar 2007 in Second Life vertreten ist.

Elesan Carnell: Hallo euch beiden schön euch wieder zu sehen, das wäre ja dann schon das zweite Interview.

Wolf Eilde:
Gerne doch…ich habe nur gute Erinnerungen an das letzte ;)

Elesan Carnell: wie geht es eurem Club Underground seid ihr immer noch dabei?

Wolf Eilde:
Der Club hat leider ein wenig gelitten….dabei sind wir auch aus verschiedenen Gründen nicht mehr, aber aus dem Grund ist Vishna mit hier, jetzige Ownerin des Underground….also der Club lebt nach wie vor.

Elesan Carnell: Oh was ist passiert?

Wolf Eilde:
Wir waren unwissend und haben erschreckende Neuigkeiten erfahren was das legale Senden in einem Club betrifft, selbst in SL!!!
Also ich spreche konkret gema/gvl an…

Elesan Carnell: Wie legal senden? Kann da was nicht legal sein?

Vishna Villota:
Legal senden bedeutet, die GEMA und GVL Kosten zu tragen. Sprich du verbreitest ja die Musik übers Internet und jeder der Internet hat, kann darauf zu greifen auch außerhalb des “Spiels”. Die GEMA ist zuständig für die Künstler damit diese ihre Entlohnung erhalten für ihre Werke und die GVL ist für die Plattenfirmen zuständig.

Elesan Carnell: Benötigt man da eine Lizenz oder eine Genehmigung?

Vishna Villota:
Man beantragt eine Lizenz bei der GVL und bei der GEMA das Internetradio. Wobei das auch nicht ganz stimmt, denn für die GEMA ist nur wichtig wem der Server gehört denn darüber erfahren sie, ob es legal ist oder nicht.

Wolf Eilde:
Ich möchte an der Stelle kurz einen Rechtsanwalt zitieren um das zu verdeutlichen….
Die GEMA-Pflicht wird dadurch ausgelöst, dass urheberrechtlich geschützte Musik der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird - egal ob man “nach SL” oder “ins Web” streamt. Technisch gesehen ist beides das gleiche. Jeder Landstream in Second Life, ist nämlich auch außerhalb von Second Life abrufbar, sofern man die URL kennt. Die GEMA-Freiheit des Landowners in Second Life folgt nur daraus, dass er selbst keine Abspielhandlung vornimmt, sondern die Wiedergabe durch den Nutzer gesteuert client-seitig erfolgt. Der DJ hingegen, spielt selbst Musik ab und fällt daher unter die GEMA-Pflicht.
Nachzulesen unter: http://www.bernd-schmitz.net/blog/index.php/2007/06/08/gema-pflicht-fur-den-secondlife-landstream/

Wolf Eilde:
Ich war auch der Meinung wir sind hier in einem Spiel…..keiner hat hier wirklich ein Gewerbe und so weiter, ABER….die Realität sagt etwas anderes.

Elesan Carnell: Was genau ist euch und dem Underground passiert? Seid ihr verklagt worden?

Wolf Eilde:
Nein, soweit haben wir es nicht kommen lassen. Nachdem wir davon erfahren haben, hatten wir den DJ-Betrieb eingestellt und uns beraten…
Dabei ist letztendlich herausgekommen, das keiner das Risiko eingehen möchte und ebenso wenig jemand bereit ist, die Kosten auf sich zu nehmen….also hatten wir schon beschlossen den Club zu schließen, bis mir der Zufall zu Hilfe kam…

Vishna Villota: Tja ich wollte mit meiner Lizenz einfach mal im UG auflegen.

Elesan Carnell: und dann wolltet ihr Underground schließen?

Wolf Eilde:
Ja….es war bei der letzten Besprechung beschlossen, weil kein anderer Ausweg in Sicht war. Wir hatten vor eine letzte Abschiedsparty zu geben. Dafür wollte ich natürlich ein letztes mal DJ´s haben. Nur gab es lediglich zwei mir Bekannte, die eine Lizenz hatten….Vishna war eine davon. Wir kamen also ins Gespräch wegen Auflegen und auch Warum und Wieso… Dann war es nicht wie geplant die Abschiedsparty vom Underground, sondern nur der Abschied von David und mir als Owner…warum? Dank Vishna ;)

Elesan Carnell: Du hast den Club übernommen?

Vishna Villota:
Ja habe ich, er steht heute in Berg und einiges hat sich geändert ist ja auch ganz klar, nur im Grunde hat sich das UG nur vom Aussehen und etwas in der Einrichtung geändert sonst ist es wie das alte.
Für viele ist eine Welt zusammen gebrochen doch ich gab auch sehr vielen den halt wieder und habe viele neue Leute dazu gewonnen. Auch für mich war es nicht einfach da ich zu der Zeit ja einen Club hatte.
Doch muss ich sagen war mir das Underground und die Menschen darin sehr wichtig - sie waren und sind es.

Wolf Eilde:
Es gab auch viele Gerüchte…..nicht alle wussten was genau abgelaufen ist und wir wussten auch selbst nicht wie es weiter geht. Demzufolge haben wir uns mit Informationen bedeckt gehalten (die wir selbst ja auch zum Zeitpunkt nicht hatten) und dadurch wurde eben geredet. Ich hoffe wir können auch hier etwas Klarheiten schaffen, denn fakt ist doch: Das Underground ist ein traditioneller Club mit netter Community, der nicht einfach mal hingestellt wurde sondern sich entwickelt hat und auch einen guten Ruf besitzt ;) Vishna als neue Ownerin hat ihren Club aufgegeben um vielen Leuten das Underground zu erhalten….sie investiert neben viel Geld auch enorm viel reale Zeit, als Owner und DJ. Allein das sollte man zu schätzen wissen, bin ich der Meinung!
David und ich sind auch noch da, nur eben als Gäste ;) …David führt zudem den Underground Shop weiter, der wie gewohnt sehr günstig die Artikel anbietet, welche die Szene nur schwer in Second Life findet…..die ganze Veränderung ist nicht nur notwendig gewesen, sondern auch eine große Bereicherung für alle die sich vor Veränderung nicht verschließen ;)

Elesan Carnell: Was möchtet ihr den alten und neuen Mitgliedern von Second Life gerne noch mitteilen?

Vishna Villota:
Ohne diese Mitglieder die täglich kommen und sich freuen dass sie bei uns sind und immer wieder sagen wie toll das UG ist würde es den Club nicht geben denn ein Club ohne Gäste macht keinen Spass, aber vor allem muss ich meinen tollen DJ´s danken, die ihre Arbeit echt spitze machen.

Wolf Eilde:
Allen alten Mitgliedern sei gesagt: es gibt den Underground weiterhin als netten Treffpunkt für alle aus der Szene und auch jene die kein Problem mit Gothik haben und offen sind. Freundliches miteinander wird groß geschrieben, neben Spaß an der Sache :) ….vergesst die Gerüchte die waren, macht die Augen auf und seht dass sich nicht wirklich viel geändert hat….es liegt an jedem selbst….jeder kann den Club gern neu entdecken und ich selbst kann nur sagen ich bin da offen und “ich will brennen” …wie in alten Zeiten :) allen neuen ein herzliches Willkommen und viel Spaß!

Vishna Villota:
Na was soll man da noch zufügen, Wolf hat einfach recht!

Elesan Carnell: Das war ein interessantes Interview, ich danke Euch beiden dass ihr dieses wichtige Thema angesprochen habt, und wünsche euch, dass die Missverständnisse und Gerüchte um das Underground bald vergessen sein werden. Weiterhin viel Erfolg!

Fazit:

Auch in einer virtuellen Welt unterliegen wir bestimmten Regeln und Richtlinien, auch wenn wir uns dessen aufgrund der Einfachheit von Second Life nicht stets bewusst sind. Am Beispiel des Underground ist zu sehen, wie der rechtliche Aspekt schnell in Vergessenheit geraten kann. Viele die sich mit Musik nicht professionell beschäftigen und aus Jux einfach mal einen Dance Club in Second Life eröffnen, sind sich nicht bewusst dass sie eine Straftat begehen wenn sie DJ´s beschäftigen, die ohne Lizenz auflegen. Jedes abspielen eines Musikstückes oder auch nur eines geschnittenen Sounds bedarf einer Genehmigung meist in Form einer Lizenz bei der GEMA oder ausdrücklichem Einverständnis des Künstlers. Klar wenn wir was erfinden, möchten wir natürlich auch einen Anteil haben an dem was er einbringt, und Musik bringt dann etwas ein, wenn sie gespielt wird. Da einige sich damit nicht auskennen, senden sie auf Internetradios drauf los aus Spass an der Freude. Ohne daran zu denken dass auch dieser Spass seine Kosten hat. In Second Life, so dachten die meisten, sind die realen Gesetze nicht gültig, aber wie wir sehen, reichen die Arme der Gesetzte auch bis in eine virtuelle Welt. Für alle die sich gerne intensiver mit dem Thema auseinander setzen möchten, ist Vishna Villota die richtige Ansprechpartnerin. Sicher sind diese Links auch wertvoll:

Hauptseite der GEMA:
http://www.gema.de/

Tarifübersicht der GEMA:
http://www.gema.de/musiknutzer/abspielen_auffuehren/tarife/index.shtml#9